Mal was anderes trinken

Posted on 2014-12-23 by fp
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Das Essensangebot in Fast-Food Restaurants ist normalerweise nicht unbedingt durch den Willen der Angestellten, sondern auch durch den Maschinenpark beschränkt. Die Küche gleicht eher einer Fertigungsstraße, die darauf ausgerichtet ist, die angelieferten, genormten Halbstücke effizient in grobe Kopien der auf den Preislisten ausgestellten Angebote umzuformen. Sonderwünsche sind in solchen durchgeplanten Prozeßketten schwierig. Im Normalfall müssen die genormten Produkte genügen, die in streng mit Ablaufdaten versehenen, Warmhaltungen herumliegen. Das Maximum der Individualisierung besteht in der Auswahl aus einer diskreten Menge von Auflagen für ein Sandwich. An vielen Orten ist schon der Wunsch auf Weglassen eines Allergen (z.B. Tomaten) ein nachrichtenwürdiges Ereignis.

Noch eine Stufe komplizierter wird es, wenn der Kundenwunsch sich auf die Dinge bezieht, die aus den blechernen und plastilinen Zitzen der verschiedenen Maschinen für Heißes, Kaltes und Halbgefrohrenes gezogen werden. Die effiziente Ausrichtung auf die Produktpalette und die ökonomische Entscheidung keine Anforderung für minimale Qualifikation bei den Angestellten aufkommen zu lassen, diktieren eine Reduktion der Bedienelemente der Maschinen auf die reinen Fertigprodukte. Produktionsschritte, die anderswo von (unterschiedlich) qualifizierten Angestellten übernommen werden können so ganz wegrationalisiert werden.

So landete ich an einem von vielen autobahnnahen Raststätten, mit deutlich zur Schau getragenen Zugehörigkeit zu einer Fast-Food-Kette, bei denen der Ruf nach einem Espresso vollständige Hilflosigkeit auf die Gesichter der Angestellten zaubert. So kann man am bedienerfreundlichen Kaffeevollautomatene nahezu gedankenfrei den auf der Speisekarte vermerkten Cappuchino zapfen, sofern man in der Lage ist den korrekten Pappbecher unter die Düsen der Maschine zu stellen und einen Knopf zu drücken. Es ist einem weiter noch möglich die falschen Kaffeebohnen in den Vorratsbehälter mit der deutlichen, rot unterlegten Beschriftung “Espresso” zu füllen, den Cappuchino allerdings ohne seinen Bestandteil Milch, also als Espresso, zu servieren ist dagegen nicht vorgesehen.

Während man sich also durch einen geschmacklich fragwürdigen “Cafe Creme” arbeitet, gebraut mit einer ökonomisch dosierten Menge Kaffees unbekannter Herkunft, die auf eine statistische Mehrheit der Konsumenten hin optimierte ist, kann der Geist in seiner nach Geschmack lächzenden Verzweiflung die Motivation finden sich ein weiteres Mal an die Kasse zu stellen. Die Idee ist insofern brilliant als sie einfach ist: Espresso und Milchschaum werden bei den üblichen Kaffeevollautomaten in zeitlicher Abfolge getrennt voneinander ausgegeben. Auch, wenn es eine bedauerlichen und wenig unterstützenswerten Verschwendung drittklassiger Milch aus leidgeplagter Massentierhaltung gleichkommt, die Maschine lässt einem in dieser Konstellation noch die Möglichkeit den Kaffeebecher erst nach dem Ausstoß des Milchschaums, aber noch vor der zischenden Abgabe des Espressos unter den Maschineneuter stellen.

Das Ergebnis ist deutlich dunkler gefärbtes Wasser mit einer erkennbar anderen Kaffeenote als die “Creme” im Becher daneben. Ein voller Erfolg, auf der hacktechnischen Seite, es wurde ein Produkt abseits der globalen Produktpalette des Franchisegiganten erworben. Das bemerkenswerte Ereignis wurde von nicht weniger als fünf Angestellten des Kassenbereichs direkt an der Kaffeemaschine begleitet, womit wir uns auch noch zugute halten können, dass wir den Alltag dieser im stumpfsinnig diskreten Produktalltag gefangenen Menschen zumindest kurzzeitig mit Farbe beklecksen konnten.

Kulinarisch war der Espresso, ganz nebenbei gesagt, eine erwartungskonforme Enttäuschung. Die Produktdesigner haben offenbar bewußt darauf verzichtet die reichliche Menge Wasser an zu wenig, qualitativ fragwürdigen Espressobohnen ohne Milchschaum zu servieren. Immerhin, eine funktionale Menge Koffein schien in beiden Getränken enthalten gewesen zu sein.

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