Landwirtschaft, ein kurzer Abstecher (Huxfeld Hof 2015-06-20)

Posted on 2015-06-25 by fp
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Ich war beim Großfamilienurlaub über ein Wochenende auf einem Milchhof mit knapp 60 Kühen. Wie das halt so mit den Sprüchen über adequate Kleidung ist, bin ich in meiner Draussenhose und Gummistiefeln aufgelaufen und hatte gegen Wind und Sonne eine praktische Khaki-farbene Schirmmütze an. Bin prompt auf meine landwirtschaftlichen Erfahrungen angesprochen worden. Kleider machen Landwirte.

Wie dass dann wieder so ist, kann ich mich nur schwer zurückhalten, wenn es darum geht sich die Finger ein wenig dreckig zu machen. Ich stand also, nach der ersten Nacht plötzlich am Silagehaufen und habe geholfen die Futtermittel von Plastikfolie und Schimmelbällen zu befreien. Dabei konnte ich nicht nur auf dem Trecker mitfahren — was als Kind deutlich spannender war — sondern auch den angenehm mitteilsamen Landwirt etwas ausfragen.

Wie sich herausstellt, ist die Milchwirtschaft selbst, ebenso wie die wenigen Hühner und Ziegen, eher Staffage für den Tourismus. Drei Ferienwohnungen (und der Neubau mit wiederum 4 Ferienwohnungen) werden mehr zum Überleben des Betriebs beitragen als die Erzeugung von Nahrungsmitteln. Das liegt, wenn man dem Landwirt zuhört, nicht nur an den komplizierten Gegebenheiten des Teufelsmoores, in dem der Hof liegt, sondern eben auch an den wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die Preise für Milch verfallen und decken die Produktionskosten in Deutschland nur noch knapp und nur durch Optimierung der Milchmenge pro Kuh. Dazu gehört die Erhöhung der Energiemenge in der Nahrung durch Beigaben, tierspezifische Kraftfuttergaben und die Fleischverwertung bei nachlassender Milchleistung.

Im Melkgraben zeigte der Landwirt auf seine älteste Kuh, die nächste Woche zu McDonalds kommt. Alte Kühe werden Hackfleisch, keine Steaks.

Die Konseqenz des Preisverfalls, so bedauerte der Landwirt, ist gleichzeitig ein Teil der Ursache von Verschwendung (in der westlichen Welt) und einer damit einhergehenden Geringschätzung von Nahrungsmitteln. Wenn, so seine Aussage, grob die Hälfte der Lebensmittel weggeworfen wird, dann ist etwas falsch. Insbesondere wird zuviel Fleisch konsumiert.

An der Stelle konnte ich zumindest meinen persönlichen Beitrag einbringen, mein Fleischkonsum ist aus diversen Gründen sehr gering. Aber natürlich reicht das alleine nicht, und in diesem Licht betrachtet war die aufflackernde Forderung, mit der Renate Künast für einen Aufruhr im Wahlkampf 2013 gesorgt hat, nicht weitreichend genug: ein Fleischtag pro Woche wäre sinnvoller.

Glücklicherweise hat die EU mittlerweile auch verstanden, dass die Pflege der Landschaft (und das Teufelsmoor ist zum Beispiel eine sehr wertvolle, seltene Landschaft) auch nicht ganz ohne Mehrwert für die Gesellschaft und leider auch nicht ganz ohne Kosten für die Landwirte ist. Wenn ein Landwirt eine Fläche eben nicht umpflügt, oder ein Förster dort eben kein Holz anbaut, dann sind das für den Wirtschafter Verdienstausfälle. Gerade wenn die Preise Fallen und jeder Pfennig zusammengekratzt werden muß, fällt dann der Umweltschutz irgendwann hintenrunter. Auf der Fahrradtour, mit der ich diesen Blog angefangen habe, hatte öfter mal das Gefühl durch Industriebrache zu fahren, und nicht durch freie Natur. Dummerweise brauchen wir zum Beispiel Bienen und Schmetterlinge und diese brauchen irgendwo Lebensräume. Mittlerweile vergütet die EU den Landwirten solche Brachflächen, wodurch dem ökologischen Anreiz die ökonomische Absicherung hinzugefügt wird. Das könnte natürlich und immer ein wenig mehr sein, führt aber in diesem Fall dazu, dass es auf den Fluren des Hofes zum Beispiel Blumenwiesen gibt.

Die Nutzung von IT, die ich auf diesem Hof mitbekommen habe, beschränkte sich (Abseits von Steuer und Abrechnung vermutlich) auf die Steuerung der Kraftfuttergabe, für die jede Kuh einen Transponder um den Hals baumeln hatte. Ich habe es, aus familiären Gründen, immerhin war ich zum Geburtstagsfeiern da, versäumt weiter nachzuforschen. Auf den von mir gesehenen Zugmaschinen waren zumindest keine sichtbaren Displays und Sensoren angebracht. Die Koordination des Betriebs schien über das Handy abgewickelt zu werden, und soweit ich das sehen konnte, größtenteils verbale Kommunikation zu umfassen.

Das größte Thema aus dem Bereich IT, auf das der Landwirt zu sprechen kam, war die Haftungsfrage, bei mißbräuchlicher Nutzung des Gäste-WLANs in den Ferienwohnungen. Leider konnte ich dabei nicht allzusehr helfen, weil ich da selbst eher opportunistisch offene Ansätze fahre: Ich gebe mein Internet gerne an Bedürftige weiter, ich habe ja selbst auch gerne Netzzugang, wenn ich unterwegs bin.

END—–