Flüchtende, Rohstoffe und nur ein Nazi

Posted on 2016-01-30 by lars
Send us your comments.

Ich verzweifle seit Monaten daran, dass ich es nicht hinbekomme einen passenden Kommentar zur momentanen Flüchtlingssituation zu formulieren. Ich bin anscheinend auch nicht ausreichend kreativ um mir auszudenken, wo ich besonders gut helfen könnte. Und nebenbei scheine ich mit meinem eigenen kleinen Leben ausreichend, und so verständlich wie bei jedem anderen, beschäftigt zu sein, um keine Zeit zu finden wirklich etwas zu tun. Ich scheine nur gut darin zu sein mir selbst vorzuwerfen, dass ich immer noch nichts, oder zu wenig, beigetragen habe.

Über Fefes Blog trudelt jetzt ein Text von Raphaele Lindemann ein, den ich nicht kenne, der aber so unglaublich treffend beschreibt, was ich nicht formulieren konnte. Lindemann, so schreibt er, tut Dienst als Arzt in Erstaufnahmelagern und kann mit 300 bis 500 Patienten pro Schicht durchaus behaupten einen Überblick zu haben. Eigentlich ist es willentliches Unwissen diesen Bericht nicht zu lesen.

Ich möchte mich hier betont hinter seine Aussagen stellen. Angefangen von der Anerkennung für das Bekenntnis zur Hilfe der Kanzlerin, bis hin zur Argumentation für die Investition in die Integration der Menschen die zu uns kommen.

Das Einzige was ich emotional nur schwer bewältigen kann ist die sachliche Zurückhaltung mit der Lindemann über diejenigen schreibt, die dem Fremden mit Abweisung oder gar Hass entgegentreten. „Nazi“ bezeichnet natürlich nicht alle dieser Subjekte, einige sind weder Sozialisten, und manche eher rassistisch als nationalistisch. Den Meisten möchte ich sogar unterstellen, dass sie nicht einmal mitbekommen, dass sie braunen Stumpfsinn und gefährliche Hetze von sich geben. Aber ich habe kein Verständnis für, und auch da pflichte ich Lindemann umfänglich bei, Politiker oder „besorgte Bürger“, die auf Asylsuchende (egal aus welchem Grund) herabsehen, Angst schüren oder gar notleidenden Menschen die Tür vor der Nase zuschlagen wollen.

Und jede Kontigentierung, jede Einschränkung bedeutet, dass wir notleidenden Menschen Hilfe versagen, dass wir im Endeffekt den Tot von Mitmenschen billigend, wenn nicht gar willentlich, in Kauf nehmen. Asyl ist kein Luxusgut, dass man sich erlauben kann, wenn man mal einen guten Geschäftstag hatte. Nothilfe ist nicht etwas das man auf einen späteren Zeitpunkt verschieben kann, oder nach Gutdünken verteilt. Aufnahme, Versorgung und Integration von Flüchtenden (und lasst mich in Ruhe mit dieser Ausrede für Unmenschlichkeit durch den Begriff „Wirtschaftsflüchtling“) ist ein Minimalkriterium für Menschlichkeit.

Ganz nebenbei ist es aber eben auch ökonomisch sinnvoll Flüchtende aufzunehmen. Es gibt praktisch keine Gegenbeispiele in denen das Gastland durch Asyl verloren hätte. Und gerade Deutschland steht eine Veralterungskatastrophe ins Haus, wenn sich das Land nicht signifikant verjüngt.

Ich möchte niemanden direkt beleidigen, und deshalb bleibt es dir überlassen, ob du diejenigen Mitbürger, welche Flüchtenden Hilfe und Aufnahme verweigern wollen, als Arschlöcher bezeichnen möchtest oder vielleicht noch passender als „Dumme Arschlöcher“.

END—–