35c3

Posted on 2018-12-31 by inj4n
Send us your comments.

Alle Nachbetrachtungen des 35c3 dürften mittlerweile geschrieben sein.

Haecksen-Schreine

Vor dem 35c3 haben die Haecksen, die wohl einzige Untergruppe im CCC mit genderbasierter Zugangsbeschränkung, eine Gruppe zu Förderung und Unterstützung der, immer weniger unterrepräsentierten, Frauen in der Hackergemeinschaft, dazu aufgerufen die Sichtbarkeit von Frauen in Informatik und Wissenschaft auf dem Congress zu erhöhen. Das Mittel der Wahl waren die “Haecksen-Schreine”. Unsere Lounge im Chaos West hatte sowieso schon den Arbeitstitel “Tempel”. Was lag da näher als dort mal nicht (nur) die ewigen Gödel-Shannon-Bilder alter Männer aus meinem Büro aufzustellen sondern sich ein wenig weiterzubilden.

Und “Hallo die Enten” hatte ich da einige Bildungslücken zu stopfen. Die Liste der Haecksen-Schreine (oder möglichen Haecksen-Schreine) ist beeindruckend.

Gebaut habe ich dann eine Grace-Hopper-Gedächtnis-Platte aus gelasertem Acrylglas.

Ich habe selbst dann nur wenige Schreine entdeckt: - Ada Lovelace — Your Mother! Hing an vielen Durchgängen. - Rosalind Franklin — Halle 3, am Tisch von Chaos Iserlohn - Grace Hopper — Halle 3, Chaos West Lounge - Margaretha Hamilton — Halle 2

Chaos-West hat Sponsoren und keiner meckert

Auf der Bühne des Chaos West wurde ein Online-Shop als Sponsor werbend erwähnt — und keiner meckert. Wieso regt sich keiner darüber auf? Ist Sponsoring akzeptiert, wenn nur ausreichend Goodies an die Massen ausgeteilt werden? “35c3 wach auf!”, “Wehret den Anfängen!” und andere passende Platitüden möchte man in den Raum rufen.

Spaß beiseite, der Congress hat sich bisher, wie der CCC selbst ohne Sponsoren getragen und sich dadurch eine ziemlich einzigartige Unabhängigkeit erhalten. So etwas darf man, auch nicht durch die Hintertür, oder, weil es gerade mal nicht so wichtig scheint, nicht aufgeben. Wer auch immer da auf der Bühne den Namen eines Online-Shops in den Raum gebrüllt hat, war sich vermutlich nicht bewusst, was diese Namensnennung, direkt an eine sehr gut vorselektierte Zielgruppe, an Werbemacht bedeuten kann. Von solchen Gelegenheiten träumen Marketingabteilungen und der Congress lehnt jedes Jahr dutzender, sicherlich freundlich gemeinter, “Unterstützungsangebote” dankend ab.

Guckempfehlungen

Die Zahl der aufgezeichneten Vorträge ist gigantisch. Durch die diversen Veranstaltungen im CCC-Umfeld ist mittlerweile ein beeindruckendes Archiv entstanden. Ich werde hier wohl auch im laufe des Jahres noch ein paar Aktualisierungen an der Liste vornehmen.

Absolut empfehlenswert

Wirtschaft hacken! von Uwe Lübbermann, ist mittlerweile sein sechster Vortrag mit ähnlichem Thema im Archiv. Für mich ein absolutes Highlight des 35c3. Im Vortrag erklärt er wie er, seit mittlerweile 17 Jahren an einem Getränkevertrieb mitarbeitet, der nach dem Konsensprinzip aller Beteiligter geführt wird. Das schließt auch alle Kunden ein, die sich beteiligen. Und “Konsens” bedeutet dabei tatsächlich: jeder hat ein Vetorecht. Entgegen aller Angstreflexe, kann das wirklich funktionieren. Und ich freue mich eigentlich sehr über die Schnappatmung und “Aber-”ausreden, die einem entgegenschlagen, wenn man das Konzept in Diskussionen aufbringt.

EOF—–